„Kultur ist nicht alles. Aber ohne Kultur ist alles nichts.“ SPD Ketsch bietet Diskussionsforum mit Daniel Born an

Veröffentlicht am 17.12.2020 in Wahlkreis

Zwei Schaffende an ihren typischen Arbeitsgeräten: Frederic Michel mit seinem Schlagzeug und Daniel Born am Telefon

Bei einer Online-Veranstaltung der Ketscher SPD war der Schlagzeuger Frederic Michel mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Daniel Born im Gespräch. Michel zeigte auf, wie dramatisch die Auswirkungen des Corona-bedingten Lockdowns auf seine Arbeit sind. Born betonte, dass die beschlossenen Hilfen schnell und unbürokratisch fließen müssten.

Ketsch. Zur Diskussion über die Situation der Kultur hatte die Ketscher SPD eingeladen. Dem Wahlkreisabgeordneten Daniel Born ist das Thema ein Herzensanliegen und so hatte er schon vor dem jetzt beschlossenen zweiten Lockdown darauf hingewiesen, dass die Kunst sich seit März eigentlich durchgehend im Lockdown befindet.

„Dass die Pandemie einige Wirtschaftszweige besonders hart trifft ist jedem klar. Der Tourismus fällt hier Vielen völlig zurecht als Erstes ein. Und natürlich auch die Gastronomie. Aber auch diejenigen mit einer weniger starken Lobby gehören zu den am stärksten Betroffenen: Betroffen sind die Unternehmen der Kultur-, Kreativ- und Veranstaltungswirtschaft genauso wie die öffentlichen Kultureinrichtungen und die vielen selbständigen Künstler“, so Born.

Born weiter: „Bei den Hilfen ist darauf zu achten, dass man einen Auftritt und eine Eventunterstützung nur einmal machen kann und das Jahr nur 365 Tage hat. Auf Nachholeffekte nach der Pandemie zu verweisen geht darum an den Realitäten vorbei und hilft auch nicht, wenn jetzt die Miete bezahlt oder der Kredit bedient werden muss“, erklärt der Schwetzinger Wahlkreisabgeordnete Daniel Born, der als Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft die Hilfsangebote intensiv begleitet. „Hilfen müssen fließen und sie müssen einfach und schlüssig zu beantragen sein – das ist seit Beginn der Krise meine Haltung dazu“, ergänzt der SPD-Politiker.

Ob bei Kundgebungen der Veranstaltungswirtschaft oder in der Beratung der Wirtschaftshilfen: bei der Frage nach der Unterstützung derjenigen, die durch den Lockdown in Probleme gekommen sind, steht Born stets an der Seite der Betroffenen und macht sich dafür stark, dass die vielfältige Kulturszene im Land, aber vor allem auch im Wahlkreis, nach Überwindung der Pandemie noch wiederzuerkennen ist. „Eines ist klar: Wer jetzt die Kulturszene aus dem Blick verliert, der sieht nach der Krise schwarz. Kultur mag nicht alles sein, aber ohne Kultur ist alles nichts“, so Born.

Der Ketscher SPD-Vorsitzende Jens Rebmann zeigte sich erfreut, neben dem Landespolitiker, mit Frederic Michel einen national angesehenen Künstler und Kulturschaffenden für die Veranstaltung gewonnen zu haben. Als „Schlagzeuger, unter anderem für die Sängerin LEA, wie es ihn aktuell in Deutschland vermutlich kein zweites Mal gibt“ vorgestellt, wies dieser in seinem Statement zu den dramatischen Auswirkungen der Pandemie auf die Kulturszene darauf hin, dass er auch abseits seines Schlagzeugs stets im Studio oder mit eigener Technik als Dienstleister im Bereich der Veranstaltungstechnik gearbeitet habe.

„Leider habe ich bei der Überlegung, breit genug aufgestellt zu sein, um von einer möglichen Flaute in einem meiner Arbeitsbereiche nicht allzu hart erwischt zu werden, die Rechnung ohne das Virus gemacht“, beschreibt Michel, dass die Pandemie jeden hart getroffen hat. Weiterer Gast des Online-Talks in Borns Reihe „Dialogtour 4.0 – vor Ort im Gespräch“ war die Schwetzinger Kreisrätin Monika Maier-Kuhn, ihrerseits ebenfalls seit vielen Jahren aktiv in verschiedenen Bereichen der Kultur unterwegs. „Immerhin bin ich persönlich weniger betroffen als die meisten Künstler, mit denen ich zusammenarbeite, da ich in den vergangenen Jahren zunehmend Programme für Kinder und Jugendliche aufgelegt habe, die nicht den Zweck hatten, dass ich damit Geld verdiene. Aber ich möchte 2021 nicht mehr in traurige Kinderaugen blicken, die erfahren, dass es kein Sommercamp gibt und keinen Künstlern mehr absagen müssen, die nicht wissen, wie es weitergeht.“ beschreibt die Kultur-Managerin ihre Situation.

Die Diskussion in der Videokonferenz wurde dann ergänzt um Fragen des Publikums, das der Veranstaltung auf Twitch live folgte, sowie um Kommentare und Fragen der Facebook-Gemeinde, die ebenfalls live zugeschaltet war. Die Beantwortung der Frage beispielsweise, wie es sein könne, dass die Maßnahmen der Landesregierung häufig so kurzfristig und dann nur über die Presse angekündigt würden, wurde von der Runde dem Landesparlamentarier überlassen, der es seinerseits als extrem frustrierend beschreibt, wie die grün-schwarze Landesregierung hier per Verordnung mit den Menschen umspringe. „Das ist einfach nicht in Ordnung, dienstags um 23.07 Uhr zu verkünden, was ab Mittwoch Gültigkeit hat. Diese Regierung hat so viele Minister, Sekretäre, Bevollmächtige und Beauftragte wie noch keine zuvor. Aber woran es fehlt, ist eine Struktur und Arbeitshaltung, mit der man bei wichtigen Entscheidungen auch zum Punkt kommt.“ berichtet Daniel Born und führt weiter aus: „Man muss aber gerade bei der Kultur berücksichtigen, dass diese sich faktisch seit Frühjahr im Lockdown befindet. Die kurze Zeit der Öffnungen einzelner Teile mit viel Abstand, die Youtube-Konzerte oder -Auftritte waren Angebote, dass nicht alles komplett von der Bildfläche verschwindet, konnten aber dem Wirtschaftszweig nicht wirklich helfen.“

Dies wurde von einem Chat-Teilnehmer bestätigt, der kommentierte, dass Kulturschaffende wenigstens – anders als Schulen, kommunale Verwaltungen vor Ort, Geschäfte und die gesamte Bevölkerung – aktuell keine Verschärfungen hinnehmen müssten, da sie ohnehin schon nicht auftreten könnten. Weitere Fragen widmeten sich den Bereichen der Künstlersozialkassen – nach Aussage des Politikers und der Kulturleute dringend reformbedürftig – und der Sorge, ob der Wunsch nach einer Art von „Kostenlos-Kultur“ durch die Pandemie sogar noch bedient werde, da Künstler derzeit alles Mögliche täten, um ihre Kreativität abseits wirtschaftlicher Überlegungen auszuleben.

Inhaltlich schloss die Veranstaltung mit dem Statement Borns, „Kultur ist ein wichtiger Grundpfeiler unseres Zusammenlebens sowie von Gesellschaft und Gemeinschaft. Zum gelingenden Miteinander gehört sie unbedingt und existentiell dazu.“ Born fordert, die Hilfen zügig an Betroffene auszuzahlen, damit der Flurschaden, der ohnehin gewaltig ist, einigermaßen begrenzt werden kann.

Die Hoffnung, dass Impfstoffe und Schnelltests sowie ein schlüssiges Konzept zur Pandemiebekämpfung auch in Baden-Württemberg bald die schmerzlich fehlenden Bereiche Kunst, Kultur und Unterhaltung wieder etwas in Schwung bringen können, war allen Teilnehmern gemeinsam.

 

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