Kurpfalz-Horizont im November: Auschwitzprozess-Ankläger Gerhard Wiese kommt persönlich nach Schwetzingen

Veröffentlicht am 07.11.2023 in Veranstaltungen

Schwetzingen. „Das ist ein starkes Symbol in dieser schwierigen Zeit, in der unsere Demokratie massiv angegriffen wird – und es ist ein beeindruckender persönlicher Einsatz.“ Mit diesen Worten kommentiert Landtagsvizepräsident Daniel Born die überraschende Nachricht anlässlich seines nächsten Kurpfalz-Horizontes, dass Gerhard Wiese, der letzte lebende Ankläger im Ausschwitzprozess, persönlich nach Schwetzingen kommen wird. Ursprünglich war geplant, das Interview, das Born mit Wiese im August zu dessen beeindruckendem Leben im Dienst der Gerechtigkeit geführt hat, bei der Veranstaltung als Videoeinspielung zu zeigen.  Nun hat Gerhard Wiese angerufen und gesagt: „Das ist mir zu wichtig, ich komme persönlich.“

Born: „Gerhard Wiese vertrat als Staatsanwalt im Frankfurter Auschwitz-Prozess – einem der größten Prozesse der Nachkriegszeit und einem der wichtigsten Verfahren gegen NS-Verbrecher in Deutschland – die Anklage. Wiese verfasste die Anklageschriften gegen Wilhelm Boger und Oswald Kaduk, zwei von 22 Männern, die in verschiedenen Funktionen im Konzentrationslager Auschwitz gearbeitet hatten und denen vielfache Grausamkeiten vorgeworfen wurden. 1965 wurden 17 Angeklagte zu lebenslangen oder langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt – ohne in diesem Jahrhundertprozess erkennbar Reue gezeigt zu haben.“

Gerhard Wiese, heute 95 Jahre alt, ist daher ein ganz besonderer Zeitzeuge. Nun freut sich Landtagsvizepräsident Born darüber, dass er Wiese am 13. November persönlich begrüßen darf: „Dass ich mich noch einmal mit Gerhard Wiese persönlich über seine bedeutende Arbeit und sein Wirken unterhalten kann, ist großartig und eine tolle Chance für das Publikum. Der Besuch bei ihm in Frankfurt hat mich sehr beeindruckt und bewegt. Nun freue ich mich umso mehr, dass alle interessierten Bürger die Gelegenheit haben werden, zu hören, was Gerhard Wiese über die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen zu erzählen hat“, gibt Born einen Ausblick auf diesen besonderen Kurpfalz-Horizont mit dem Titel „Erinnern für die Zukunft“.

Für den SPD-Abgeordneten ist Wiese ein Mann, der Herausragendes für unsere Demokratie geleistet hat: „Der Auschwitz-Prozess hat nicht nur sein Leben stark beeinflusst – er hat Deutschland für immer verändert. Danach waren Leugnen und Schweigen nicht mehr möglich. Ohne die Erinnerung daran, dass in Auschwitz über eine Million Menschen ermordet wurden, an den Folgen von Zwangsarbeit, Hunger, Krankheiten, Misshandlungen oder den unmenschlichen Lebensbedingungen starben, konnte es kein Lernen für die Zukunft geben“, so Born.

Die Videoaufnahme des Zeitzeugengesprächs wird über YouTube zugänglich sein. „Ein wirklich bedeutsames Vermächtnis über die juristische Aufarbeitung der Verbrechen von Auschwitz“, so Born.

Mit seinem innovativen Talkformat will Born auch mit der dritten Ausgabe aufzeigen, was Demokratie stark macht: „Die Erinnerung an Gräuel und Deportationen, an Gewaltherrschaft und an diese menschenverachtende Diktatur ist ganz wesentlich für unsere heutige Demokratie, denn sie unterstreicht das Privileg, das wir heute haben: Wir dürfen seit über 70 Jahren in einem freien Land, in einer Demokratie und einem Rechtsstaat leben.“

Neben Gerhard Wiese wird Daniel Born weitere hochkarätige Gäste empfangen: Mit Dr. Harald Stockert, dem Direktor des Stadtarchivs Mannheim, wird Born darüber sprechen, wie es gelungen ist, unsere Demokratie nach der NS-Diktatur besser und stärker wiederaufzubauen. „Das Marchivum ist ein Ort, an dem mit unseren demokratischen Werten spürbare Arbeit gemacht wird und an dem unsere Demokratie lebendig ist. Hier erfährt der Besucher hautnah, was sich verändert, wenn eine Demokratie zerstört wird. Aber hier wird auch der Blick auch auf das Danach geweitet“, freut sich Born auf den Austausch mit Stockert.

„Die Erinnerung an die Schoa gehört nicht nur zur jüdischen Identität, sie gehört zur deutschen Identität insgesamt. Wissen über die NS-Verbrechen ist Voraussetzung für die Zugehörigkeit zu Deutschland. Darüber und welche Bedeutung dem Erinnern für eine gute Zukunft zukommt – gerade auch unter den Eindrücken des erschreckenden Terrors gegen Israel und der jüngsten, antisemitischen Gewalt in Deutschland, möchte ich mit zwei weiteren Gesprächspartnerinnen sprechen“, kündigt Born an. Als weitere Gäste empfängt er die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mannheim, Prof. Dr. Heidrun Deborah Kämper und Lisa Strelkowa, die sich in der Jüdischen Studierendenunion Württemberg engagiert.

Die Sichtweise der beiden Frauen, die sich für die Sichtbarkeit jüdischen Lebens einsetzen, einzubringen, ist Born besonders wichtig: „Erinnern ist kein Selbstzweck, sondern eng mit der Gestaltung der Zukunft verbunden“, skizziert Born, warum für ihn der Brückenschlag zwischen Erinnerung und Zukunft so bedeutsam ist. „Dass aus Erinnerung Zukunft wächst, ist ein Geschenk, eine Chance und zugleich eine Aufgabe, zu der ich mit den Kurpfalz-Horizonten beitragen möchte“, so der Vizepräsident des Landtags.

Homepage Daniel Born MdL – Vizepräsident des Landtags von Baden-Württemberg

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